Klostergasse

Funktionssanierung und Erweiterung der AHS Klostergasse  |  Wettbewerb  |  Auftraggeber*in: BIG BundesimmobiliengesmbH  |  2021  |  Wien

 

gemeinsam mit: Pulswerk GmbH und RWT+

 

Visualisierung: BOKEHdesignstudio, RAHM architekten



Städtebauliche Aspekte

Im Herzen des 18. Wiener Gemeindebezirks gelegen, hat die AHS Klostergasse großes Potential, durch die Neugestaltung Impulse für die unmittelbare Umgebung des Grätzels zu setzen. Die Verbindung der heterogenen Bauteile auf den drei nebeneinanderliegenden Bauplätzen durch eine gut definierte neue Mitte, schafft auf dem Platz zum Marie-Ebner-Eschenbach Park einen attraktiven, frischen Identifikationspunkt für die Schüler*innen, die Lehrer*innen und die Eltern, aber auch für die Bewohner*innen den umliegenden Nachbarschaften. Die beeindruckende, bestehende Bausubstanz wird über einen leuchtenden Ring miteinander verbunden. Die Gebäude bekommen dadurch eine differenzierte Gewichtung und öffnen sich darüber durch eine überraschende Leichtigkeit. Die Bewegung der Menschen wird eingefangen und in der Rotation um die neue Mitte entsteht ein anregender Austausch von Innen und Außen. Hier an diesem Ort trifft man sich, verweilt man kurz und orientiert sich. Der symbolisierte Umgang steht für Kontemplation und Konzentration und für Begegnung und Entwicklung.

 

Architektonische Aspekte

Da wo beide Gebäude, AHS Klostergasse und Währinger Bad, zusammentreffen, befindet sich der neue Zugang zum Schulgebäude. über den gestalteten Vorplatz gelangt man über eine sanfte Rampe direkt in den großzügigen Mehrzweckraum, der zum Kleinhof durchgesteckt und an der der teilbare Veranstaltungssaal angeschlossen ist. über die beiden bestehenden vertikalen Erschließungsräume werden die unterschiedlichen Funktionsbereiche über neue Treppenanlagen erschlossen, der Naturwissenschaftliche und Künstlerische Bereich, die Verwaltung und Arbeitswelt der Lehrer*innen auf der einen Seite und die Lernwelten der Schüler*innen auf der anderen Seite. Dazwischen spannen sich über alle Geschoße die Funktionsräume der Mitte und erstreckt sich von dort in die Gebäudeteile. Durch die Definition von unterschiedlichen Raumhöhen entsprechend den Raumnutzungen im Neubau ergeben sich, in der Entwicklung der Baustruktur nach oben, unterschiedliche Niveaus, die mit Rampen oder kurzen Stiegen als Verbindung überwunden werden. An der Schnittstelle zwischen den Gebäuden befindet sich ein Aufzug der über Eck alle Geschoße barrierefrei zugänglich macht. Der umgebende Freiraum verbindet sich ebenfalls auf unterschiedlichen Niveaus und erlaubt mit der inneren Erschließung eine dreidimensionale, mäandernde Bewegung.

 

Funktionale Aspekte

Bestehende Gebäude zu erhalten und sowohl funktional als auch energetischen zu sanieren, ist nachhaltig. Das Schulgebäude bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Der Zubau verbindet die beiden bestehenden Gebäude und entwickelt mit seiner funktionalen Programmierung eine neue räumliche Struktur. Die Turnhalle wird ergänzend als eigenständiger und autonom funktionierender Baukörper in Leichtbauweise auf den bestehenden Gebäudeteil gesetzt. Alle Volumina werden in ihrer Eigenständigkeit in der Umgestaltung geachtet und als gemeinsames Ensemble gefügt. Der Freibereich als neue Mitte im Außen schafft eine veränderte Gewichtung im Stadtraum und verbindet auch architektonisch die unterschiedlichen Gebäude. Die Neuorganisation der Funktionen im Inneren orientiert sich an den Qualitäten der vorhandenen baulichen Struktur. Dabei wird das derzeitige Schulgebäude den Klassennachbarschaften eingeräumt. Das klare konstruktive Raster lässt in der Längsrichtung eine flexible Raumteilung zu. Wanddurchbrüche zu den großzügigen Erschließungsbereichen mit angehängten Verweilzonen und Freiräumen, unterstützen die kommunikativen Aspekte des Lernens. Der Neu- und Umbau reagiert auf die unterschiedlichen Anforderungen in Bezug auf Raumhöhe, Größe und Funktionalität. Er beinhaltet die verschiedenen Departments der pädagogischen Organisation. Und er verteilt und verbindet über die räumliche Höhe alle Bereiche mittels übergeordneten, halböffentlichen und auf alle Fälle gemeinschaftlichen Einrichtungen, wie Essbereich, Mehrzweckfläche, Veranstaltungssaal und Turnhalle.

 

Bestehende Gebäude zu erhalten und sowohl funktional als auch auf energetischen Standard zu sanieren, ist nachhaltig. Das Schulgebäude bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Der Zubau verbindet die beiden bestehenden Gebäude und entwickelt mit seiner funktionalen Programmierung eine neue Orientierung der räumlichen Strukturen. Die Turnhalle wird ergänzend als eigenständiger und autonom funktionierender Baukörper in Leichtbauweise auf den bestehenden Gebäudeteil gesetzt. Alle Gebäudeteile werden in ihrer Eigenständigkeit in der Umgestaltung geachtet und als gemeinsames Ensemble entwickelt. Der Freibereich in der Mitte der Raumvolumina schafft eine neue Gewichtung im Stadtraum und verbindet auch architektonisch die heterogenen Gebäude.

 

Anna-Mahler-Raum

Die freigewordene Eingangshalle macht Platz für die Menschen der Stadt. Zu ebener Erde kann dieser Raum für unterschiedliche Projekte wie eine Chorprobe, eine Ausstellung oder einen Markt genutzt werden. Im Rahmen eines Kompetenzprojekts verwalten und betreuen Schüler*innen die Programmierung und treten damit in eine direkte Kommunikation mit Ideenfinder*innen außerhalb der Schule.

 

Kunst am Bau

Im Zuge der Integration des Umspannwerks in die Gestaltung des Ensembles, ist es die Absicht im Rahmen eines partizipativen Kunstprojekts Schwerpunkte der Schule zu thematisieren und an der Fassade sichtbar zu machen. Architektonisch werden die Fensterlaibungen farblich harmonisch mit bespannten Textilrahmen flächenbündig besetzt und schaffen so die entsprechende Leinwand. Durch die Lichtdurchlässigkeit der Fenster und die wachsende Fassadenbegünung bleibt der Raum dahinter und das Bild an der Wand im Gespräch.

 

Alles Könner*innen

Begleitend zu den großzügigen Gangflächen werden multifunktionale Möbel entwickelt. Sie dienen als Sitzgelegenheit zum konzentrierten Lesen oder Lernen, sie schaffen Platz für gemeinsames Arbeiten in Kleinstgruppen. Entsprechend der Ausführung können sie als Raumteiler verwendet werden, um flexibel auf unterschiedlichen Flächenbedarf reagieren zu können.

 

Erschließung

Der Haupteingang erschließt sich über den kleinen Vorplatz des Ensembles zum Park, am übergang der Bestandsgebäude. Die neue Mitte zieht sich von außen ins Innere des Hauses und über die Mehrzweckfläche verteilen sich zwei vertikale Erschließungswege, die beide unterschiedliche Funktionsbereiche zugänglich machen. In Kombination mit den umlaufenden Erschließungswegen im Freien ergibt sich eine fließende, kontinuierliche Bewegung mit angeschlossenen Verweilbereichen unterschiedlicher Qualitäten.

 

Brandschutz und Fluchtwege

Von jedem Punkt im Gebäudeinneren gibt es entsprechen der OIB Richtlinie jeweils zwei Fluchtwege innerhalb von 40m, mit nicht mehr als 15m gemeinsamen Weg, zu einem gesicherten Treppenhaus oder einem direkten Ausgang zu einem sicheren Ort des angrenzenden Geländes im Freien. Der zweite Fluchtweg muss nur zum nächsten Brandabschnitt.

 

Statisches Konzept

Auf dem Gebäude des Umspannwerkes wird der neue Turnsaal als Leichtbau (Stahl/Holzkonstruktion) gesetzt. über einen Stahlträgerrost werden die Lasten aus der Turnhallenkonstruktion auf die tragenden Wände des Umspannwerkes ausgewechselt. Die Turnhalle besteht aus tragenden Holzstützen, Holzfachwerksbindern und der Gebäudehülle aus großflächigen Holzrahmenelementen. Die hochgedämmte Hülle – Fassade und Dach – ist als hinterlüftete Konstruktion konzipiert und wird durch eine statisch wirksame Beplankung als Dach- und Wandscheibe zur Ableitung der Horizontallasten ausgeführt.

 

Energetisches Konzept

Kompakte Baukörper mit hochgedämmten Außenwandelementen sind energieeffiziente Gebäudehüllen, die zum einen zu geringen Betriebskosten beitragen und zum anderen hohen Komfort über warme Wandoberflächen schaffen. Im Neubau werden die Decken aus Stahlbeton zur Bauteilaktivierung herangezogen. Eine kontrolliert Raumbelüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für die notwendige Saustoffzufuhr, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Im Bestandsgebäude werden die Fenster saniert. Beim Neubau und Umbau kommt eine hochwertige hinterlüftete Fassade zum Einsatz, die Licht führt und Ausblick ermöglicht. Sie ist mit einem außenliegenden, textilen Sonnenschutz ausgestattet. Gründächer und die Entsiegelung des Hofes verwandeln den Hof in eine auch im Sommer angenehme Oase. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Turnhalle trägt zur autarken Energiegewinnung bei.